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Artikel Schaffhauser Bock

April 9, 2018

 


Arikel Schaffhauser Bock: 10. April 2018 >> https://www.bockonline.ch/artikel/gesellschaft/item/1073-technik-kommt-%C3%BCberall-gut-an

Vor zwei Monaten lancierte die Schule Hallau das Projekt Tabletklassen mit der Einführung von iPads in vier Schulklassen. Nun lassen sich erste Schlüsse ziehen.


Autor: Tobias Ochsner


Das Echo war gross, als die Schule Hallau vor zwei Monaten mit dem Projekt Tablet-School startete (der «Bock» berichtete am 20. Februar 2018). In diesem Rahmen erhielten 60 Schülerinnen und Schüler aus der dritten und vierten Primarschul- sowie der ersten Sekundarschul- und Realschulklasse ihr persönliches Tablet. Dieses benutzen die Kinder während des Unterrichts – diejenigen aus den oberen Klassen sogar zu Hause –, um Aufgaben zu lösen. In der Zwischenzeit haben sich alle Beteiligten an die neue Technologie gewöhnt. Die Tablets sind gut im Unterricht inte­griert und die Programme so gestaltet, dass sie einen Mehrwert generieren.

Unterschiedliche Verwendungszwecke
In einer Lektion der ersten Sekundarschulklasse von Patrick Ronner berechnen die Schülerinnen und Schüler gerade das Geld, die Zeit und den Energieverbrauch, die eine erwachsene Person für eine Reise nach Rom benötigt. Als Hilfe verwenden sie diverse Reise-Apps auf ihrem iPad. «Bei solchen Aufgaben musste ich früher immer gut überlegen: Lohnt es sich, dafür extra in den Computerraum zu gehen?», erzählt Klassenlehrer Patrick Ronner. Bis die Zimmer gewechselt wurden und jeder seinen Computer aufgestartet hatte, sei eine halbe Ewigkeit vergangen. Nun hätten sie die Tablets innert Sekunden bereit und müssten nicht einmal das Zimmer wechseln. Durch die Geräte sei der Unterricht auch viel besser auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt: «Jeder kann in seiner eigenen Geschwindigkeit arbeiten. Die Kinder können zum Beispiel ein Video dann schauen, wenn sie so weit sind. Ich muss nicht alle unterbrechen und sagen: ‹Hey, schaut alle nach vorne, wir gucken einen Film.›»Auch Lernspiele kommen im Unterricht zum Einsatz. So startet die vierte Klasse von Barbara Imobersteg die Lektion mit einem Quiz über Adjektive. Auf dem grossen Bildschirm an der Wand erscheint eine Frage und die Kinder beantworten sie selbständig über ihr iPad. Sichtlich amüsiert lernen sie so unter anderem, dass es von «voll» keine sinnvolle Steigerungsform gibt oder dass das Wort «pantherpink» gar nicht existiert. Danach schickt die Klassenlehrerin die Kinder auf die Jagd nach QR-Codes, die auf dem ganzen Schulareal verteilt sind. Durch das Einscannen offenbaren die Codes eine Aufgabe, die gelöst werden muss. Barbara Imobersteg ist sehr zufrieden mit dem Verlauf der Tablet-School: «Die Schülerinnen und Schüler sind alle sehr motiviert und gehen sorgfältig mit den Geräten um.» Auch die Betreuung durch den Kanton sei sehr gut: «Wenn wir eine Frage oder ein Problem haben, können wir uns melden und bekommen sofort Hilfe.» Im Projekt sah die erfahrene Primarschul­lehrerin eine Chance, denn sie ist der Meinung: «Früher oder später kommt die Technik sowieso ins Schulzimmer.» Ausserdem sei es als Pilotklasse möglich, Fehler zu machen und aus diesen zu lernen.

Tablets als ergänzende Massnahme
Die Lehrpersonen orten die grösste Gefahr in der Ablenkung. «Überall wo elektronische Geräte im Spiel sind, besteht eine grosse Ablenkungsgefahr», erklärt Tobias Matt, Klassenlehrer der ersten Realschulklasse. Es sei deshalb wichtig, klare Regeln festzulegen und das Tablet auf die Seite zu legen, wenn es nicht benutzt wird. Patrick Ronner sieht die Gefahr zwar ebenfalls, relativiert das Ganze aber etwas: «Die Gefahr, dass die Kinder abgelenkt werden, ist immer da. Wenn sie kein iPad vor sich haben, dann malen und kritzeln sie auf einem Blatt herum.» Trotzdem legt auch er die Geräte bewusst weg, wenn sie nicht benutzt werden. Bei Barbara Imobersteg haben die Schülerinnen und Schüler sogar extra Kisten, in welche die Tablets verschwinden, sobald die Kinder sie nicht mehr im Unterricht benötigen.Für Tobias Matt ist indes klar, dass die iPads den Unterricht direkt vor der Klasse nicht ersetzen können: «Wenn ich in ein neues Thema einsteige, mache ich das über den Frontalunterricht. Das geht nicht mit den Tablets.» Die Geräte unterstützen lediglich die Lektionen: «Als ergänzende Massnahme sind sie mega gut.» Patrick Ronner schlägt in die gleiche Kerbe: «Die Tablets sind ein weiteres Hilfsmittel, das Lernen müssen die Kinder aber immer noch selbst übernehmen.»

«Die Lektionen machen mehr Spass»
Und wie finden die Schülerinnen und Schüler selbst die iPads? «Es macht mehr Spass mit den Tablets», lautet die häufigste Antwort der Kinder. Viele schätzen, dass sie nicht für jede Frage die Lehrperson rufen müssen, sondern einfach kurz im Internet nachschauen können. Gerade bei Vokabular in den sprachlichen Fächern sei dies sehr praktisch. Einige sind der Meinung, sie kämen im Unterricht generell schneller voran als vorher. Besonders erwähnenswert ist für einen Schüler der Realschule die bessere Ordnung: «Wir benötigen weniger Blätter, die ich sonst vielleicht verlieren würde. So müssen wir nicht immer alte Blätter hervorkramen.»Erstaunlicherweise haben die Schülerinnen und Schüler schon ein grosses Bewusstsein gegenüber der Digitali­sierung entwickelt. Nur wenige wünschen sich noch mehr Technologie im Unterricht. «Es braucht nicht mehr. Irgendwann kann es auch zu viel werden», erklärt ein Schüler der Realschule. Seine beiden Kollegen nicken zustimmend. Ein anderer findet: «Ich möchte nicht nur am iPad arbeiten, sonst kriege ich Kopfschmerzen.» Trotzdem seien viele Kinder aus anderen Klassen neidisch auf sie: «Sie finden es unfair, dass nur wir die Tablets haben und sind eifersüchtig.»Etwas anderes wird im Gespräch mit den Kindern ebenfalls schnell klar: Für die meisten ist das Projekt gar keine grosse Sache. Viele von ihnen mögen die Tablets, finden sie aber keine allzu grosse Umstellung im Vergleich zu vorher. Dazu passt die Antwort einer Sekundarschülerin auf die Frage, was für sie die grösste Veränderung im Vergleich zu früher sei: «Mein Rucksack ist schwerer geworden.»

 

 

 

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